Nachrichtenausgabe

Kreissynode An der Ruhr hat getagt

Konzeptionelles zum evangelischen Leben in Mülheim an der Ruhr – damit befassten sich die Abgeordneten zur Kreissynode bei ihrer Tagung im Haus der Kirche. Die Synodalen hörten einen Zwischenbericht aus dem Zukunftsprozess „Altes hinterfragen, Neues wagen“. Außerdem befassten sie sich mit der Finanzierung der künftig gemeindeübergreifend verantworteten Jugendarbeit. Traditionell zur Herbstsynode hielt Superintendenten Michael Manz seinen Jahresbericht. Lust auf den Kirchentag 2027 in Düsseldorf machte ein Besuch des zuständigen Teams aus dem Landeskirchenamt. Turnusgemäß wurden auch die Haushaltspläne für das kommende Jahr verabschiedet.

Lokale und globale Perspektiven verband Superintendent Michael Manz in seinem Bericht an die Kreissynode. Mit Sorge betrachtete er aktuelle politische Forderungen nach mehr „Kriegstüchtigkeit“ Deutschlands und stellte nicht zuletzt eine soziale Verunsicherung angesichts der „Zeitenwende“ fest. Aufgabe der Kirche sei es, diejenigen zu begleiten, die angesichts dessen Unterstützung und Seelsorge bedürfen. Superintendent Manz regte an, „Das Thema Frieden verstärkt in den Fokus von Gottesdienst und Gebet zu nehmen.“ Die lebensweltliche Basis dafür böten die Maximen des Grundgesetztes „Die Autor:innen (…) haben damit ein tragfähiges demokratisches Fundament gelegt, für das es sich lohnt, einzutreten.“ Superintendent Manz erinnerte an die zahlreichen Veranstaltungen im zurückliegenden Jahr, die der Kirchenkreis in diesem Kontext unterstützt oder initiiert hat: Kundgebungen mit „Mülheim stellt sich quer“, Vortragsveranstaltungen im Haus der Kirche, die Podiumsdiskussion der Evangelischen Jugend zur Kommunalwahl oder die Beteiligung am Demokratiefest auf der Freilichtbühne. Schließlich sei eher die Demokratie zu stärken als die Fähigkeit zum Krieg: „Demokratie bedeutet, andere Meinungen zuzulassen. Punkt. Ich denke, es wird nötig sein Demokratie weiter zu ,ertüchtigen.‘

Wo nötig, müsse Kirche sich widerständig zeigen, und mutig für andere eintreten. - „Mut!“ ist die Überschrift der Veranstaltungsreihe, zu der der Kirchenkreis An der Ruhr 2026 ins Haus der Kirche einlädt.

Auch einige Herausforderungen an Kirche nahm Superintendent Manz in den Blick. Die sozialen Megatrends wie Säkularisierung, Pluralisierung und Individualisierung könnten kirchlichen Akteur*innen nicht umkehren. Konkrete Veränderungen bringt der Kirchenkreis An der Ruhr aktuell mit der neu strukturierten Jugendarbeit und dem Strukturprozess „Altes hinterfragen, Neues wagen“ auf den Weg.

Auf der kirchlichen Agenda, und damit ein Punkt im Superintendentenbericht, bleibt das Thema sexualisierte Gewalt. Superintendent Manz ging auf die gestärkten landeskirchlichen und überregionalen Strukturen zu Intervention und Prävention ebenso ein wie auf die umfangreichen Aktivitäten des Kirchenkreises in Bezug auf Schulungen für haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende und auf das auch in Mülheim begonnene Aktenscreening zur Aufarbeitung möglicher Altfälle.

Zum Abschluss ermutigte Superintendent Manz seine Zuhörerinnen und Zuhörer, die biblisch formulierte „Weite“ in Anlehnung an Psalm 31 („Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“) zu nutzen: „Standfest. Aber nicht statisch sein. (…) Auch gegen das scheinbar für alle Zeiten Feststehende, Festzementierte. Nicht stehen bleiben, bei dem, was schon immer war. Das verschafft mir Atem.“

„Nicht flicken, sondern neu bauen“, das ist der Ansatz, mit dem die Projektgruppe des Strukturprozesses „Altes hinterfragen, Neues wagen“, den Synodalen ihren Zwischenbericht präsentierte. Es gelte, das „Haus Kirche“ neu zu entwerfen. Mit vertrauten Räumen, aber mit neuen Zugängen - handlungsleitend dabei der Finanzrahmen, der durch die zurückgehenden Mitgliederzahlen (ca -13 % bis 2030) bestimmt wird. „Kirche relevant, einladend und tragfähig halten“, so formuliert die Projektgruppe die Zielrichtung. Eingeladen seien dabei grundsätzlich alle Altersgruppen durch eine Kirche, die sich charakterisiert als: modern, offen, gemeinschaftlich, einladend und digital präsent. Diese Kirche stehe für einen alltagsrelevanten Glauben, arbeite mit Geh-Strukturen und transportiere Tradition ins 21. Jahrhundert. Zusätzlich zu den inhaltlichen Charakteristika wurden Strukturüberlegungen vorgestellt zu zukünftigen Formen der Anstellungsträgerschaft, zur Arbeit in Kompetenzzentren und zur künftigen Reduzierung von Gebäuden und Strukturen.

Die Synodalen diskutierten den Zwischenbericht in Kleingruppen und beauftragten die Projektgruppe im Anschluss mit der Weiterarbeit. Bis zur Frühjahrssynode 2026 wird die Projektgruppe Inhalte in verschiedenen Formaten mit Verantwortlichen und Interessierten diskutieren. Zum Frühjahr 2026 soll der Kreissynode ein Beschlussvorschlag vorliegen.

Erneut auf der Tagesordnung der Kreissynode stand das Thema zukunftsfähige Jugendarbeit. Der Grundsatzbeschluss zu einem gemeindeübergreifenden Ansatz war auf der vergangenen Kreissynode befasst worden. Vier Kirchengemeinden hatten sich in der Folge entschlossen, die Anstellungsträgerschaft ihrer Jugendleitenden dem Kirchenkreis zu übertragen. Nun hatten sich die Synodalen mit zwei Aspekten zu befassen, die die Finanzierung betreffen.

Zum einen beantragte eine Kirchengemeinde, den Personalschlüssel von einem pädagogisch Mitarbeitenden je 5000 Gemeindemitgliedern aus der Konzeption zu streichen. Der Synodale Fachausschuss für Jugendarbeit teilte diesen Ansatz nicht. Per Beschluss votierte die Kreissynode dafür, den bisherigen Stellenschlüssel beizubehalten.
Eine kirchenrechtliche Nachbesserung vollzog die Kreissynode mit ihrem zweiten Beschluss zum Thema Finanzierung der Jugendarbeit. Auf Nachfrage hatte das Landeskirchenamt darauf hingewiesen, dass aus dem Beschlusstext deutlicher hervorgehen müsse, welchen finanziellen Anteil diejenigen Gemeinden tragen, die sich mit Übergabe der Anstellungsträgerschaft an der gemeinsamen Jugendarbeit beteiligen und welcher -geringere- Anteil der Umlage auf die anderen Gemeinden entfällt. Das wurde mit dem überarbeiteten Beschluss nun ohne weitere inhaltliche Veränderung nachgeholt.

Weiteres Thema auf der Kreissynode war die Arbeit in der regionalen Notfallseelsorge-Kooperation. Diese wird durch die Kirchenkreise An der Ruhr, Essen und Oberhausen (MEO-Region) gemeinsam wahrgenommen. Um effizienter arbeiten zu können, wurde der gemeinsame Dienstsitz der Notfallseelsorge im allseitigen Einvernehmen an den Kirchenkreis Oberhausen übertragen.

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